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КОНТРОЛЬНАЯ РАБОТА № _1__

по практике устной и письменной речи
Вариант № 1.
Aufgabe I. Ergänzen Sie folgende Zitate der deutschen Dichter:

1) „Wenn du eine Rose schaust, sag, … … … … “.

(H. Heine, Neuer Frühling)

2) „Ach Gott die Kunst ist lang, und kurz … … …“.

(J.W. Goethe, Faust)

3) „mich reizt deine schöne Gestalt; und bist du nicht willig, … … … … “.

(J.W. Goethe, Erlkönig)

4) „Da steh ich nun, … … … ! Und bin so klug, … … …“.

(J.W. Goethe, Faust)
Aufgabe II. Erklären Sie die ursprüngliche und übertragene Bedeutung folgender Ausdrücke:

1) auf den Leim gehen;

2) einen Bock schießen;

3) durch die Lappen gehen;

4) sich drücken;

5) mit allen Hunden gehetzt sein;

6) einen Strich durch die Rechnung machen;

7) eine bittere Pille schlucken;

8) auf der Bärenhaut liegen;
Aufgabe III. Übersetzen Sie folgenden Text ins Deutsche.
Сказание о Лорелее

Сказание о Лорелее имеет в немецкой народной поэзии и в литературе несколько вариантов. Наиболее известные из них – стихотворение Брентано «Lore Lay» и стихотворение Гейне «Lorelei».

«Лорелея» Брентано – произведение творческой фантазии автора, ибо стихотворение не имеет прямого прототипа среди немецких сказаний и легенд. Наоборот, это стихотворение, написанное в народном духе, по-видимому, способствовало возникновению легенды о Лорелее, и судьба его поэтому необычна. Имя «Лорелея», очевидно, восходит к названию крутого утеса Lurlei, который возвышается над Рейном. Эта скала упоминается уже в текстах X века, Позднее название скалы, возможно, было переосмыслено и стало вос- приниматься как таинственное женское имя, походившее на имена Ленора или Лаура.

«Лорелея» Брентано, написанная как романтическая баллада, пронизана горячей любовью к прекрасному Рейну. Волшебная сила Лорелеи – в ее красоте и страдании, ибо Лорелея у Брентано – бедная девушка, покинутая любимым, без которого она не может жить. Спасаясь от епископа, приказавшего ей стать монахиней, Лорелея взбирается на отвесную скалу, на которую не может подняться никто другой. Отсюда она смотрит на любимый Рейн, на свою родину, прежде чем броситься с утеса в волны. Баллада Брентано, простая по построению, лексике и синтаксису, выражает, однако, сложные чувства, рассказывает нам о невозможности жить без любви. Брентано теснее, чем это мог сделать кто-либо другой до него, связал литературу с народной поэзией, начав тем самым обновление немецкой лирической поэзии XIX века.

Знаменитая баллада Гейне «Лорелея», связанная со стихотворением Брентано, входит в «Книгу песен». Это – одно из лучших стихотворений поэта, завоевавшее необычайную популярность и ставшее немецкой народной песней. В этом лирическом стихотворении Гейне теснейшим образом соединил индивидуальные художественные средства и народно-поэтическую традицию, как это было характерно и для Брентано. Гейне дает поэтическое описание прекрасной златокудрой девушки, на закате солнца поющей песню высоко над величественным Рейном. Кажется, будто и сама Лорелея вся состоит из золотых солнечных лучей и чудесных звуков. Содержание баллады лирично, оно не в развитии действия, а в выражении чувства, охватившего рыбака, очарованного красотой и чудным пением Лорелеи. Трагедия Лорелеи Брентано становится у Гейне трагедией рыбака, который платит за свое чувство смертью: думая о прекрасной девушке, рыбак забывает о подводных скалах, и его лодка исчезает в бурных волнах.

Фридрих Зильхер, собиравший старинные мелодии, написал на текст стихотворения музыку, которую, по его словам, он „слышал" в самом тексте. Так возникла новая народная песня, которая стала, пожалуй, одной из самых популярных немецких народных песен.


Aufgabe IV. Übersetzen Sie folgenden Text ins Russische.
Die Anfänge der deutschen Literatur

Eine der ältesten Dichtungsgattungen, die schon 2000 Jahre vor der Zeitenwende existierte, ist der Zauberspruch. Es gab daneben auch Kultdichtungen, Opfersprüche, Gebete, Götterhymnen, Hochzeitsgedichte, Sagen und Märchen. Von Tacitus wissen wir, dass die Germanen der ersten Jahrhunderte nach der Zeitenwende Schlachtgesänge, Kriegslieder und eine Art Kriegsgeschrei, den Barditus, gekannt haben. Das werden poetische Kampfmahnungen gewesen sein, in denen zum Beispiel der Gott Donar vor dem Auszug in die Schlacht angerufen und besungen wurde. Wie so ein Barditus etwa beschaffen war, mag aus einem in Versen geformten sangbaren Feldgeschrei ersichtlich werden, das uns aus dem 11. Jahrhundert überliefert ist.

Zu überragender Bedeutung gelangte in der Folgezeit das germanische Heldenlied. Seine Vorform wird aus der Gattung des epischen Liedes hervorgegangen sein. Sehr frühe Lieder dieser Art waren wahrscheinlich ein Lied über die Hildesage, wie es im Gudrunlied noch erhalten ist, und ein zweites über Ermanarichs Tod.

Durch einen glücklichen Fund aus jüngster Zeit wissen wir auch einiges über die Form dieser Heldenlieder: Die urtümliche germanische Heldenlied-Verszeile muss der Runeninschrift auf dem Goldenen Horn von Gallehus (etwa nach 400) sehr ähnlich gewesen sein. Ihr Hauptmerkmal ist der Stabreim, wie er zum Beispiel noch im Hildebrandslied erhalten ist.

Im 5. Jahrhundert und später entstanden dann offenbar immer mehr Heldenlieder. Von einem Krieg zwischen Hunnen und Goten erzählt das Hunnenschlachtlied, das fast gleichzeitig mit Ermanarichs Tod in Umlauf gekommen sein könnte. Ein Urlied vom Burgundenuntergang, wie ihn der zweite Teil des späteren Nibelungenliedes darstellt, ferner ein Wielandlied, das vom Schicksal des Schmiedes Wieland berichtet, und wahrscheinlich auch schon frühe Formen der Jung-Siegfried-Sagen mögen zwischen 450 und 600 schon vorhanden gewesen sein.

Im 7. und 8. Jahrhundert fanden weitere Heldenlieder ihre erste dichterische Form. In fränkischen Geschichtsquellen deutet sich ein Chlotachar (Lothar) Lied an, und aus bestimmten Zügen des Hildebrandsliedes scheint eine alte Dichtung über die Rabenschlacht wieder lebendig zu werden. Schließlich mag es in dieser Zeit auch noch ein Lied von Siegfrieds Tod gegeben haben.

Alle diese Heldenlieder spiegeln in den Schicksalen ihrer Helden und deren sozialer Umwelt die zum Teil noch urgesellschaftlichen, zum Teil schon frühfeudalistischen Verhältnisse der Germanen der Völkerwanderungszeit wider. Selbst ihre viel späteren Neubearbeitungen bewahren noch so viel von der Denkweise und den Lebensformen der germanischen Völker, dass zum Beispiel Friedrich Engels aus ihnen wichtige Erkenntnisse über die Gesellschaftsordnung in dieser vor- und frühgeschichtlichen Zeit zu ziehen vermochte.

Die Geschichte der echten deutschen Literatur beginnt in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts mit den ersten, in den Sprachen der späteren deutschen Volksstämme aufgeschriebenen Zeugnissen. Zuvor gab es noch keine eigentliche deutsche Dichtung, denn alles, was damals an poetischen Werken unter den germanischen Stämmen und Völkerschaften verbreitet war, kann weder deutschsprachig genannt werden, noch fand es den Weg zu schriftlicher Überlieferung auf das die Zeiten überdauernde Pergament.

Die alte germanische Dichtung wurde nämlich mündlich vorgetragen und mündlich auch an die nachfolgenden Generationen weitergegeben. Diese Art der Verbreitung und Überlieferung musste jedoch versagen, sobald sich die Voraussetzungen solcher Dichtung, die Formen des gesellschaftlichen Lebens und die herrschende Ideologie, so veränderten, dass eine Verbreitung und Weitergabe an die Nachfahren nicht mehr möglich waren oder dass das Interesse an den herkömmlichen Dichtungs- und Erzählweisen allmählich erlosch.

Während und nach der Völkerwanderung bahnten sich solche Veränderungen an. Die Auflösung der urgesellschaftlichen Verhältnisse, Umstellungen in der Wirtschafts- und Lebensweise, besonders aber die Einführung des Christentums bei den germanischen Stämmen, bewirkten einen tief greifenden Wandel in der Denkart der Menschen, und so begann der Uberlieferungsstrom der alten, als "heidnisch" verdammten Dichtung zu versiegen. Neben diesen Denkmälern einer versunkenen Poesie aus der Zeit der Urgesellschaft erscheinen die Anfänge der ältesten deutschen Literatur bescheiden und wenig kunstvoll.


Aufgabe V.

a) zeigen Sie anhand des Textes der Aufgabe IV exemplarisch auf, in welchem Verhältnis die eigentliche deutsche Literatur zur alten germanischen Dichtung steht;

b) erläutern Sie den zeitgeschichtlichen Hintergrund der alten germanischen Dichtung.
Aufgabe VI. Nehmen Sie Stellung zur folgenden Äußerung (etwa 15 Sätze):

«Bei der Begegnung mit so einem Klassiker der deutschen Literatur wie F. Schiller steht gewöhnlich am Anfang das „Nicht-Begreifen“. Wie kann man beim Leser das „Mehr-Begreifen“ von Schiller wecken?»


Aufgabe VII.

Welche Erzählungen deutscher Schriftsteller haben Sie im vorigen Jahr im Deutschunterricht gelesen? Welche Erzählung hat Sie am stärksten beeindruckt? Wer sind die Helden dieser Geschichte? Beschreiben Sie, wie diese Helden in verschiedenen Lebenssituationen handeln oder reagieren. Ist dieses Verhalten aus Ihrer Sicht klug, dumm, mutig, feige, seltsam usw.? Welchen Gedanken will der Autor mit diesem kleinen Werk ausdrücken (etwa 15 Sätze)?



Вариант № 2.
Aufgabe I. Ergänzen Sie folgende Zitate der deutschen Dichter:

1) „Die Welt wird alt und wird wieder jung, doch … … … … … “.

(F. Schiller, Hoffnung)

2) „Ich kenne die Weise, ich … … … , ich kenn´ … … … … “.

(H. Heine, Deutschland. Ein Wintermärchen)

3) „Früh übt sich, was … … … …“.

(F. Schiller, Wilhelm Tell)

4) „Der Worte sind genug gewechselt, lasst … … … … …“!

(J.W. Goethe, Faust)
Aufgabe II. Erklären Sie die ursprüngliche und übertragene Bedeutung folgender Ausdrücke:

1) viele Hunde sind des Hasen Tod;

2) Schwein haben;

3) etwas geht gegen den Strich;

4) den Faden verlieren;

5) leeres Stroh dreschen;

6) den Rahm abschöpfen;

7) ans Ruder kommen;

8) den Kürzeren ziehen;
Aufgabe III. Übersetzen Sie folgenden Text ins Deutsche.

Братья Гримм

Братья Якоб и Вильгельм Гримм, чьи научные исследования и популярные «Сказки» пользуются всемирной известностью, занимают выдающееся место в развитии немецкой литературы и филологической науки первой половины XIX века. Оба брата с увлечением изучали историю, германские языки, литературу и народное творчество еще в то время, когда они занимались юридическими науками в Марбургском университете. Позднее братья работали сначала в библиотеке в Касселе, а затем в Гёттингенском университете. Научная и литературная деятельность братьев Гримм была так многогранна и интересна, что в 1841 году они стали профессорами университета в Берлине и были избраны членами Берлинской академии наук. Совместная работа братьев протекала в тесном содружестве, несмотря на то, что их методы исследования отчасти были различны.

Уже в это время ими были начаты исследования в области германской и романской филологии, сделавшие их известными не только в Германии, но и далеко за ее пределами. В то время как Якоб Гримм, ставший одним из основоположников сравнительно-исторического языкознания. руководил исследованиями и теоретически их обосновывал, Вильгельм Гримм преимущественно собирал, изучал и издавал памятники древней поэзии и народные сказки. Широко известная «Немецкая грамматика» Якоба Грима в четырех томах и его «История немецкого языка» в двух томах – это произведения, в которых поставлен вопрос об историческом развитии немецкого языка и определено его место среди других германских языков. В 1854 году Якоб и Вильгельм Гримм начали издавать «Словарь немецкого языка», над которым уже в наше время продолжали работать ученые бывшей Германской Демократической Республики вместе с учеными Федеративной Республики Германии. Работа была завершена только к началу 1961 года.

Своими филологическими исследованиями братья Гримм показывали, что изучение культуры и языка одной группы народов (например, германских) может быть успешным лишь в том случае, если учитывать связь этих народов с другими группами народов (например, романской или славянской). Еще Н. Г, Чернышевский указывал, что в работах Якоба Гримма факты играют огромную роль, Это и дало Якобу Гримму возможность стать основателем исторической филологии.

Гуманистические и демократические взгляды братьев Гримм наиболее ясно выражены в их литературной деятельности. Исследование и литературная обработка немецких народных сказок проводились братьями Гримм на серьезной научной основе, ибо многочисленные варианты сказок были не только записаны, но и сопоставлены с романскими, славянскими, индийскими и персидскими сказками, а это дало ученым возможность сделать много новых наблюдений и прийти к новым теоретическим выводам.

Героями сказок являются главным образом люди труда, чести и справедливости – ремесленники, рыбаки, пастухи, солдаты – люди сильные и умные. Поэтому они обычно побеждают, и братья Гримм особо подчеркивают оптимизм народной сказки, оканчивающейся победой добра над злом. Очень интересен язык сказок, ибо ученые стремились сохранить свойственные народной речи выражения, пословицы, образные сравнения, особые типы сложных слов, прямую речь. Некоторые сказки были записаны на диалектах, а это позволило показать различные оттенки народных говоров.

Научное и литературное наследие братьев Гримм составляет важную часть не только немецкой, но и мировой культуры.
Aufgabe IV. Übersetzen Sie folgenden Text ins Russische.
Josef Hofmiller: Die Bücher und wir

Von Alfons von Kastilien stammt der Ausspruch, der Mensch brauche drei Dinge, um glücklich zu sein: gute Freunde zur Gesellschaft, guten Wein zum Trinken, gute Bücher zum Lesen (Tabak und Kaffee waren noch nicht entdeckt). Aber die guten Freunde sterben uns einer nach dem anderen, der gute Wein ist noch vergänglicher als die guten Freunde – was sich am besten hält, sind die Bücher. Sie sind wie Tischleindeckdich. Sie sterben nicht, sie werden nicht sauer, sie sind immer zur Stelle, immer bereit zu uns zu sprechen, sofern nur wir den guten Willen haben ihnen zuzuhören. Von den vielen hundert Büchern, die wir im Leben gelesen haben, reut uns selten eins. Aber wie viele reuen uns, die wir nicht lasen, damals, wo das Leben noch unendlich lang vor uns lag, und die Zeit so billig war wie die Semmeln!

Was ist ein gutes Buch? Die Frage scheint schwer zu beantworten. Je nach Alter, Geschlecht, Abstammung. Erziehung, Umwelt, Erlebnisreife scheinen die Voraussetzungen zu verschieden. „Gut ist das Buch, das mich entwickelt“, hat Brandes gesagt. „Es gibt zwei Arten von Büchern“, schreibt Björnson an seine Tochter: „solche, die in den Menschen die Freude am Leben, die Sehnsucht nach dem Guten steigern, und solche, die das nicht tun. Die ersten sind gut, die andern sind schlecht, so ausgezeichnet und genial sie auch in Einzelheiten sein mögen“. Eis gutes Buch und ein guter Wein müssen uns schmecken, aber sie dürfen uns keinen Kater verursachen. Naturreine Bücher sind köstlich wie ein Tropfen von wackerer Kreszenz. Aber wie beim Trinken, ziehen viele Leute, weil sie's nicht besser verstehen, auch beim Lesen Sorten vor, die gepantscht sind, gezuckert, verschnitten, gespritet, parfümiert. Sie wundern sich über ihr seelisches Sodbrennen, weil die Firmen, bei denen sie bestellen, raffiniert aufgeputzte Preislisten versenden, genannt Kataloge, mit geschickt angebrachten Urteilen, genannt Kritiken.

Ich glaube, solange die Konsumenten den Mut ihrer eigenen Meinung aufbringen, wählen sie instinktiv das Gute. Man muss allerdings nicht nur den Mut zur Bewunderung haben. Fast noch wichtiger ist der Mut zur Ablehnung. Gut ist das Buch, das mich fördert, stärkt. Was geht mich die Literatur der Privatschmerzen an? So denken wohl viele, aber wer hat den Mut es auszusprechen? Theodor Fontane hatte ihn. Als er Turgenjews letzten großen Roman Neuland besprach, hielt er mit seinen Bedenken nicht zurück: „Die Geschichte ist sehr vorzüglich, und man hat doch keine rechte Freude daran. Woran liegt das? Man will erkennen, was der Verfasser denn eigentlich für Ideale hat, wofür er schwärmt, was ihm Herzenssache ist. Er schwärmt aber für nichts. Die Altrussen sind ihm lächerlich, die Neurussen sind ihm verächtlich, die Adligen geißelt er als hohl, hochmütig, phrasenhaft. So wird nirgends ein rechtes Behagen geweckt. Man bewundert die Treue der Bilder, aber sie lassen so kalt, wie der Dichter kalt war, der sie schuf. Wir legen das Buch mit dem Gefühl aus der Hand: wie traurig, wie unbefriedigend! Es fehlt alles Versöhnliche, kaum eine Zukunftsperspektive. Das Interesse erlischt, und man ist schließlich froh, dass es ein Ende hat“.

Die berühmtesten Bücher der Welt sind im Kreise von Frauen angeregt worden. Hinter allen Dichtungen, die heute noch das menschliche Herz bewegen, steht als ihr Gegenstand eine Frau. Und diese Dichtungen wären alle längst untergegangen, hätten nicht diese großen Bewahrerinnen sie den kommenden Geschlechtern weitergegeben. Die Frau ist die Hüterin des Alten in allem und jedem. Sie nimmt vorurteilsloser neue Kunst und Dichtung auf als der Mann, aber sie gibt nicht so vorschnell wie er die alte preis. Wenn unsre Mundarten noch das Gold alter schöner Wörter in ihrem rauschenden Strom führen, danken wir's den Ahnfrauen, aus deren Mund sie die Kinder vernehmen. Frauen waren es, die den Brüdern Grimm die deutschen Volksmärchen erzählten, und rheinische Mädchen, die Arnim und Brentano die schönsten Lieder des Wunderhorns vorsangen.

Dass es noch eine Dichtung, dass es noch Dichter gibt, verdanken wir den Frauen: Dichtung, etwas so wenig je Veraltendes wie Blumen, Wolken, Bäume, Seen, Singvögel. Sooft ich in der Straßen- oder der Eisenbahn eine Frau sehe, die liest, ganz Aufmerksamkeit, ganz Hingabe, sage ich mir: wohin wäre längst das Buch verschwunden ohne diese unzähligen stillen, frommen Leserinnen? Sie lesen langsamer, sie behandeln das Buch besser. Und wär's die Göttliche Komödie oder die Portugiesischen Sonette der Barrett-Browning, wär' es die kostbarste Ausgabe des Faust - der Mann fände nicht den Mut, durch diese kleine Zeichen auszudrücken, dass er vor dem Buche Ehrfurcht hegt, dass es ein Fest ist, das Buch in die Hand zu nehmen. Wir sollten es uns zur Gewohnheit machen, jeden Monat wenigstens ein Buch zu kaufen.


Aufgabe V.

a) zeigen Sie anhand des Textes der Aufgabe IV exemplarisch auf, welche Eigenschaften der Frauen und auf welche Weise zur Entwicklung und Aufrechterhaltung der deutschen Dichtung beitragen;

b) wie erklären Sie genauer den Mut der Bücherkonsumenten zur Bewunderung der Bücher und zu ihrer Ablehnung? Haben Sie keine Scheu, manche Bücher abzulehnen?
Aufgabe VI.

Nehmen Sie Stellung zur folgenden Äußerung (etwa 15 Sätze):

«Ohne Weimar ist die Geschichte Deutschlands und der deutschen Kultur nicht denkbar. Weimar ist Deutschland im kleinen. Das ist eine Stadt, in der nicht nur Kultur und Geist, sondern auch Unkultur und Barbarei zu Hause waren».


Aufgabe VII.

Welche Erzählungen deutscher Schriftsteller haben Sie im vorigen Jahr im Deutschunterricht gelesen? Welche Erzählung hat Sie am stärksten beeindruckt? Wer sind die Helden dieser Geschichte? Beschreiben Sie, wie diese Helden in verschiedenen Lebenssituationen handeln oder reagieren. Ist dieses Verhalten aus Ihrer Sicht klug, dumm, mutig, feige, seltsam usw.? Welchen Gedanken will der Autor mit diesem kleinen Werk ausdrücken (etwa 15 Sätze)?



Вариант № 3.
Aufgabe I. Ergänzen Sie folgende Zitate der deutschen Dichter:

1) „Die Botschaft hör´ ich wohl, allein … … … …“.

(J.W. Goethe, Faust)

2) „Wer gar zu viel bedenkt, … … …“.

(F. Schiller, Wilhelm Tell)

3) „ … … … … , um nur zu spielen, … … , um ohne Wunsch zu sein“.

(J.W. Goethe, Faust)

4) „Nennt man die besten Namen, so … … … … … .“

(H. Heine, Heimkehr)

Aufgabe II. Erklären Sie die ursprüngliche und übertragene Bedeutung folgender Ausdrücke:

1) nicht ungeschoren lassen;

2) sich nach den Umständen richten;

3) ein Gebiet beackern;

4) die Karre in den Dreck fahren;

5) auf den Busch klopfen;

6) die Flinte ins Korn werfen;

7) zutage fördern;

8) Daumenschrauben anlegen;
Aufgabe III. Übersetzen Sie folgenden Text ins Deutsche.
История немецкого языка как лингвистическая дисциплина

Известно, что точные сведения о немецком языке и его развитии мы имеем лишь с середины VIII века н.э., то есть с того времени, когда появились первые памятники немецкого языка. Ознакомление с письменной историей немецкого языка показывает, как на протяжении ряда веков изменялись и развивались грамматический строй, словарный состав и фонетическая система немецкого языка и каковы были пути этого развития. О том, какие процессы происходили в языке, когда еще не было письменности, о его лексическом, грамматическом и звуковом составе мы знаем главным образом из сравнительно-исторического изучения древних германских языков, а также из истории германских племен.

Изучение истории немецкого языка свидетельствует о том, что в древнюю эпоху у немецкого языка было больше общих черт с другими германскими и индоевропейскими языками, чем это характерно для современного языка, и что эта общность обнаруживалась как в грамматическом строе, так и в словарном составе. Однако благодаря истории языка мы знаем также, что уже в древний период имелись и специфические черты, отличавшие немецкий язык от всех прочих германских языков. Надо отметить, что в последующие эпохи эти особые черты развиваются и приводят к оформлению немецкого языка в том виде, как он существует в настоящее время.

Следует подчеркнуть, что знание истории немецкого языка имеет не только теоретическое, но и практическое значение, так как оно помогает нам более глубоко понять строй современного немецкого языка. В этой связи нужно напомнить, что еще Фридрих Энгельс указывал в свое время на то, что «материя и форма родного языка становятся понятными лишь тогда, когда прослеживается его возникновение и постепенное развитие». Тем более важным является ознакомление с историей иностранного языка, если мы изучаем его для того, чтобы активно владеть им. Нельзя забывать и о том, что знание истории любого конкретного языка помогает глубже понять закономерности развития языка вообще.

Немецкий язык – один из наиболее распространенных языков центральной Европы. Известно, что за пределами ФРГ немецкий язык является государственным языком Австрии и, наряду с французским, итальянским и ретороманским, одним из государственных языков Швейцарии. Следует отметить, что немецкий язык является официальным языком и в княжестве Лихтенштейн, где он находится под сильным влиянием немецкого языка Швейцарии. В научной литературе указывается, что в Люксембурге немецкий язык является вторым после французского государственным языком страны. Нужно сказать, что на немецком языке говорят также различные группы людей, проживающих в государствах, где он не является официальным государственным языком, например, во Франции (Эльзас и Лотарингия), а также в некоторых районах Бельгии, США, Канады, Австралии, Латинской Америки – именно эти районы называются обычно немецкими "языковыми островками".

Немецкий язык, на котором говорят в отдельных городах и странах, обычно обнаруживает особенности в произношении, словарном составе, морфологии и синтаксисе. То, что немецкий язык за пределами основной территории своего распространения приобретает особые черты, уже давно привлекало внимание языковедов. Дело, очевидно, в том, что в многоязычном государстве немецкий язык находится под сильным влиянием других языков, а это приводит к заимствованию слов и синтаксических моделей и к образованию многих особенностей, принадлежащих к литературной норме немецкого языка данной страны. Ошибаются поэтому те, кто считает особенности немецкого языке за пределами ФРГ только местными особенностями обиходно-разговорной речи. Отсюда следует, что нужно, по-видимому, признать существование национальных вариантов немецкого литературного языка.


Aufgabe IV. Übersetzen Sie folgenden Text ins Russische.
Jean-Paul Sartre: Lesen ist gelenktes Schaffen

Lesen scheint tatsächlich eine Synthese von Wahrnehmung und Schaffen zu sein; es setzt gleichzeitig das Wesentlichsein des Subjekts und das Wesentlichsein des Objekts voraus; das Objekt ist wesentlich, weil es unerbittlich transzendent ist, weil es seine eigene Struktur aufdrängt und weil man es erwarten und beobachten soll. Das Subjekt aber ist auch wesentlich, weil es nicht nur notwendig ist, um das Objekt zu enthüllen, sondern auch dafür, dass dieses Objekt eben da ist. Mit einem Wort: der Leser hat das Bewusstsein, gleichzeitig zu enthüllen und zu schaffen, im Schaffen zu enthüllen und durch Enthüllen zu schaffen. Man sollte wirklich nicht glauben, das Lesen wäre ein mechanischer Vorgang und würde durch die Buchstaben beeindruckt wie eine photographische Platte durch das Licht. Wenn der Leser zerstreut, müde, dumm oder leichtfertig ist, werden ihm die meisten Beziehungen entgehen, er wird sich vom Objekt nicht „fangen lassen“, wie etwas Feuer „fängt“ oder „nicht fängt“; er wird aus dem Dunkel Sätze holen, die scheinbar aufs Geratewohl auftauchen. Wenn er sich aber ganz in der Hand hat, wird er über die Wörter hinaus eine synthetische Form ahnen, bei der jeder Satz nur eine Teilfunktion ist – das „Thema“, den „Stoff“ und den „Sinn“.

So liegt der Sinn zunächst nicht in den Wörtern; im Gegenteil, er erlaubt es erst, die Bedeutung jedes Wortes zu begreifen; und obwohl das literarische Objekt durch die Sprache hindurch verwirklicht wird, ist es nie in der Sprache gegeben; es ist im Gegenteil von Natur aus schweigsam und ein Feind des Wortes. Auch können die hunderttausend aneinander gereihten Wörter eines Buches hintereinander gelesen werden, ohne dass dabei der Sinn des Werkes zutage tritt. Der Sinn ist nicht die Summe der Wörter, sondern deren organische Totalität. Nichts ist erreicht, wenn der Leser sich nicht unwillkürlich, fast ohne Führer zur Höhe dieses Schweigens aufschwingt. Wenn er es nicht im großen und ganzen erfindet und sodann die Wörter und die Sätze, die er aus dem Schlafe weckt, richtig einsetzt. Und wenn man mir sagt, dieses Unternehmen sollte lieber eine Wieder-Erfindung oder eine Entdeckung genannt werden, dann antworte ich, dass eine solche Wieder-Erfindung zunächst ein ebenso neuer und origineller Akt wäre wie die erste Erfindung. Und da überdies ein Objekt vorher nie existierte, kann es sich weder um ein Wieder-Erfinden noch um ein Entdecken handeln. Denn wenn das Schweigen, von dem ich spreche, wirklich das vom Autor angestrebte Ziel ist, dann hat er es zumindest nie gekannt; sein Schweigen ist subjektiv und geht der Sprache voraus. Es ist eine Abwesenheit von Wörtern, ein von der Inspiration zum Leben erwecktes indifferentes Schweigen, dem die Sprache dann Ausdruck geben wird, während das vom Leser produzierte Schweigen Objekt ist.

Außerdem gibt es innerhalb dieses Objektes noch allerlei Schweigen: das, was der Autor nicht sagt. Es handelt sich um so eigene Intentionen, dass sie außerhalb des Objekts keinen Sinn haben könnten. Und doch machen gerade sie die Dichte des Objekts aus, gerade sie geben ihm sein eigentümliches Gesicht. Deswegen begegnet man ihnen auch in keinem fest umrissenen Augenblick der Lektüre; sie sind überall und nirgends: das Wundersame und der Grad von Realismus und Wahrhaftigkeit in der Mythologie Kafkas – dergleichen ist nie gegeben. Der Leser muss das alles in einer fortgesetzten Überwindung des Geschriebenen erfinden.

Zweifellos führt der Autor ihn, aber er führt ihn eben an. Die Richtpunkte, die er angegeben hat, sind durch Leeres voneinander getrennt, man muss sie miteinander vereinen, muss über sie hinausgehen. Mit einem Wort: Lesen ist gelenktes Schaffen.

Einerseits hat das literarische Objekt tatsächlich keine andere Substanz als die Subjektivität des Lesers: die Erwartung Raskolnikows ist meine Erwartung, die ich ihm leihe. Ohne diese Ungeduld des Lesers blieben nur nichts sagende Schriftzeichen übrig. Sein Hass gegen den Untersuchungsrichter, der ihn vernimmt, ist mein Hass, den die Schriftzeichen in mir wecken. Der Untersuchungsrichter selbst würde ohne den Hass, den ich durch Raskolnikow hindurch gegen ihn hege, gar nicht existieren; dieser Hass macht ihn lebendig, er ist sein Fleisch und Blut.

Andererseits sind die Wörter gleichsam Schlingen, um unsere Empfindungen zu wecken und wieder gegen uns zu richten. Jedes Wort bezeichnet unsere Neigungen, nennt sie mit Namen, legt sie einer imaginären Figur zu, es gibt ihnen Gegenständlichkeit, Perspektive und einen Horizont. So bleibt für den Leser noch alles zu tun, und doch ist alles schon getan, das Werk existiert nur genau auf der Ebene seiner Fähigkeiten – während er liest und schafft, weiß er, dass er in seiner Lektüre immer weitergehen, dass er immer tiefgründiger schaffen könnte. Und deshalb kommt das Werk ihm unerschöpflich und undurchdringlich vor wie ein Ding.
Aufgabe V.

a) arbeiten Sie anhand des Textes der Aufgabe IV heraus, wie man beim Lesen zum Sinn des Geschriebenen kommt. Überlegen Sie, welche Aspekte des literarischen Objekts Stoff für die Erschließung des Sinns sein können;

b) welche Beziehung hat der Begriff «Schweigen» zum Sinn des literarischen Objekts?
Aufgabe VI. Nehmen Sie Stellung zur folgenden Äußerung (etwa 15 Sätze):

«H. Heine war schon zu seinen Lebzeiten Besitz der ganzen Menschheit. Er ist auch heute Vorbild und Lehrmeister. Er zeigt, was die Liebe zur Heimat bedeutet».


Aufgabe VII.

Welche Erzählungen deutscher Schriftsteller haben Sie im vorigen Jahr im Deutschunterricht gelesen? Welche Erzählung hat Sie am stärksten beeindruckt? Wer sind die Helden dieser Geschichte? Beschreiben Sie, wie diese Helden in verschiedenen Lebenssituationen handeln oder reagieren. Ist dieses Verhalten aus Ihrer Sicht klug, dumm, mutig, feige, seltsam usw.? Welchen Gedanken will der Autor mit diesem kleinen Werk ausdrücken (etwa 15 Sätze)?



Вариант № 4.
Aufgabe I. Ergänzen Sie folgende Zitate der deutschen Dichter:

1) „Der … … … … … ; der Mohr kann gehen“.

(F. Schiller, Die Verschwörung des Fiesko zu Genua)

2) „Grau, teurer Freund, … … … , und grün … … … …“.

(J.W. Goethe, Faust)

3) „Es kann der Frömmste nicht in Frieden … , wenn es … … … … …“.

(F. Schiller, Wilhelm Tell)

4) „ … … … … , solang´ er strebt“.

(J.W. Goethe, Faust)
Aufgabe II. Erklären Sie die ursprüngliche und übertragene Bedeutung folgender Ausdrücke:

1) abkanzeln;

2) aller guten Dinge sind drei;

3) auf den Hund kommen;

4) die erste Geige spielen;

5) das Steuer übernehmen;

6) auf die Folter spannen;

7) den roten Hahn aufs Dach setzen;

8) aufs Tapet bringen;

Aufgabe III. Übersetzen Sie folgenden Text ins Deutsche.
Из истории древних германских племен и языков

Первые исторические сведения о древних германцах мы находим в сочинениях греческих и римских писателей. Их сообщения дополняются данными археологии. Эти источники позволяют предположить, что древние германские племени в последние века до нашей эры, по-видимому, занимали северную часть низменности между Эльбой и Одером, полуостров Ютландию и южную Швецию. В прежней западной, средней и южной Германии, а также на территории современной Франции и большей части Британии жили, судя по географическим названиям, кельтские племена. По мнению некоторых ученых, древние германцы, возможно, были сперва подчинены кельтам, превосходившим своих германских соседей в развитии культуры и хозяйства. Об этом свидетельствуют кельтские заимствовании в германских языках.

Распространение германцев па запад до Рейна и в области восточнее Одера происходит предположительно в IV – I веках до н. э. Это движение, очевидно, шло быстрее на слабо заселенном севере и медленнее на юге Европы, где еще в начале нашей эры, по-видимому, жили кельтские племена. Кроме того, продвижение германцев к югу несомненно угрожало безопасности Древнего Рима и привело к войне германских племен с римлянами, в которой германцы вначале одержали ряд побед над римскими войсками. В дальнейшем, однако, римляне, перешли в наступление и под предводительством Юлия Цезаря, одного из крупнейших полководцев, государственных деятелей и писателей Древнего Рима, отбросили германцев на правый берег Рейна. Основой хозяйства древних германцев являлись, по свидетельству Цезаря, преимущественно скотоводство и примитивное земледелие.

Одним из важнейших исторических источников для изучения быта, культуры, религии и поэтического творчества древних германцев безусловно можно считать книгу Тацита, крупнейшего римского историка и политического деятеля. Тацит сам, по-видимому, не бывал в Германии, но он заимствовал многие сведения из сочинений других авторов – Плиния Старшего и Тита Ливия, из официальных донесений римских полководцев и устных рассказов купцов и легионеров. Как пишут Цезарь и Тацит, основу общества у древних германцев составлял общинно-родовой строй. Высшая власть принадлежала народному собранию, которое называлось þing. Кроме того, по Тациту, существовал совет старейшин, решавший менее важные дела. В III веке нашей эры общественный строй древних германцев, очевидно, существенно изменяется. Появляются новые имущественные отношения, возникают зачатки будущей феодальной аристократии. В этих условиях сначала формируется древневерхненемецкий, а затем и средневерхненемецкий язык.

Средневерхненемецкий язык – это немецкий язык XII— ХШ веков, т, е. язык периода расцвета феодализма и возникновения рыцарства. Этот период является периодом расцвета литературного творчества феодальных кругов, что связано с экономическим и политическим подъемом Германии. Для языка средневековой поэзии характерны некоторые лексические особенности, а именно заимствованные или переведенные с французского языка слова. Насколько позволяют судить памятники, язык рыцарской литературы обнаруживает известные тенденции к унификации. Однако вопрос о существовании средневерхненемецкого литературного языка является сложным и неясным. В обиходно-разговорном языке диалектные различия в течение средневерхненемецкого периода даже усиливаются, чему способствуют постепенное ослабление центральной власти и увеличивающаяся раздробленность страны. С другой стороны, между населением разных территорий и городов существовали торговые и культурные связи, что разрушало границы между территориальными диалектами.

Основой немецкого национального языка послужил восточносредненемецкий диалект как посредник между севером и югом, поскольку в период позднего средневековья центром экономической и политической жизни страны является не раздробленный запад, а восток Германии. Период с XIV по XVI век принято считать ранненововерхненемецким, т. е. периодом формирования немецкого литературного языка.


Aufgabe IV. Übersetzen Sie folgenden Text ins Russische.
Hans Sperber: Die Entstehung der neuhochdeutschen Schriftsprache

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts waren die Keime zur Entstehung einer allen deutschen Landen gemeinsamen Schriftsprache so weit erstarkt, dass der Gedanke des „Gemeinen Deutsch" aufzutauchen und als ein erstrebenswertes Ziel der Sprachpflege Wurzel zu fassen beginnt. Die Tatsache steht aber fest, dass die Schriftdialekte des ausgehenden Mittelalters zunächst noch sehr lebenskräftig in die neue Zeit hineinragten. Das muss man sich vor Augen halten, wenn man Luthers Verdienste um die deutsche Sprache richtig würdigen will. Es ist klar, dass sich Art und Umfang seiner Pflege der Muttersprache von der Tätigkeit seiner Vorgänger in wesentlichen Punkten unterschied – den Bestrebungen der höchsten Mächte des Reichs, der Kirche, der Kanzleien und sogar vieler von den Humanisten fehlten die Volkstümlichkeit und der Einfluss auf die großen Volksmassen vollkommen.

Bei Luther und seinen Mitkämpfern wurde das anders, er fand seine mächtigste Stütze in der begeisterten Anhängerschaft der breiten Massen. Auf diese konnte er nicht mit kunstvollen Perioden und Redefiguren einwirken; der schlichteste, geradeste, oft auch der derbste Ausdruck war da der beste. Die Kunst, deutsch zu schreiben, hat er sich mühsam und allmählich erarbeitet in einer schriftstellerischen Praxis von ungeheurem Umfang, vor allem aber in jahrzehntelangem Ringen mit dem Urtext der Bibel. Ihr hat er zum erstenmal ein würdiges deutsches Gewand geschaffen.

So hat er der deutschen Literatur in seiner Bibelübersetzung ein Werk geschenkt, das den folgenden Generationen als sprachliches Vorbild gelten konnte. Die Autorität der Bibel hat bewirkt, dass die dem Lutherschen Bibeldialekt nahe stehenden sächsischen Dialekte in ihren verschiedenen Äußerungsformen fortan ein Ansehen genossen und zu einer Hauptgrundlage der neuhochdeutschen Schriftsprache wurden. Mit Recht betrachtet daher die Sprachwissenschaft Luthers Auftreten als den Beginn einer neuen sprachlichen Epoche, der neuhochdeutschen.

Der deutsche Schulunterricht hat dann seinerseits nicht wenig dazu beigetragen, um Luthers Stellung als sprachliches Vorbild zu festigen. Die Grammatiker des 16. und späterer Jahrhunderte wurden nicht müde, die Sprachgestalt von Luthers Schriften als Vorbild zu empfehlen. Wie Luther, hat sich auch eine große Anzahl seiner Anhänger vom Latein abgewandt und der deutschen Sprache zugewandt. Von besonderer Bedeutung für das Vordringen des Deutschen auf Kosten des Lateinischen war die Einführung des deutschen Gottesdienstes und des Schulunterrichts in der Muttersprache, der im Laufe des 16. Jahrhunderts immer mehr Boden gewann.

Im einzelnen ist der Einfluss Luthers auf Wortschatz und Bedeutungsentwicklung unserer Schriftsprache noch lange nicht erschöpfend festgestellt. Sicher ist, dass eine Reihe ursprünglich dialektischer Wörter, wie z. B. Splitter, schüchtern, Spuk, Motte, Knochen, Lippe, Scheune, bange, Wehklage, durch seinen Einfluss in der Gemeinsprache Bürgerrecht gewannen und dass zahlreiche aus der Bibel stammende Phrasen, wie etwa „sein Scherflein beitragen“, „sein Pfund vergraben“, „mit seinem Pfunde wuchern“, „ein Stein des Anstoßes“, durch seine Übersetzung verbreitet worden sind. Andere Wörter verdanken seinem Einfluss zwar nicht ihr Vorhandensein in der Schriftsprache, wohl aber den besonderen Sinn, in dem wir sie heute gebrauchen. Wenn uns jetzt die Verwendung von „Grund“ in der Bedeutung „Ursache" so verständlich ist, so hat dazu Luthers Bestreben wesentlich beigetragen, für alles, was er glaubte und tat, einen „Grund", d. h. ursprünglich eine Grundlage, in der Heiligen Schrift nachzuweisen.

Noch haftete der deutschen Sprache anfangs der Ruf der Ungefügigkeit und Schwerfälligkeit an. Luther selbst verglich seine Übersetzertätigkeit einmal mit einem Kuckuck, der die Töne einer Nachtigall nachahmen wollte. Aber mit der fortschreitenden Übung wuchs auch das Zutrauen zu der Muttersprache. Während die älteren Übersetzer klassischer und anderer Werke immer wieder darüber klagten, wie schwer es sei, den Feinheiten der Originale in „grobem Deutsch" gerecht zu werden, brachte Luther in einer von seinen Reden 1578 seine Überzeugung zum Ausdruck, „dass Gott, der in allen Sprachen gelobt sein will, auch in unserer Sprache wunder wirken wird".

Diese Zuversicht darf uns nicht wundern. Er hat doch mehr als irgendein anderer deutscher Schriftsteller vor oder nach ihm alle Möglichkeiten des deutschen Ausdrucks mit bewundernswerter Erfindungsgabe ausgeschöpft. Seine eigenwillige, groteske, aber ohne Zweifel geniale Sprachmeisterschaft, seine ungezählten Wortschöpfungen, in denen von der volkstümlichsten Grobheit bis zur gelehrtesten Anspielung alle Abstufungen vertreten sind, stellen den zeugungskräftigen Sprachgeist seines Jahrhunderts in einer Höchstgestalt dar.


Aufgabe V.

a) erläutern Sie mit Hilfe des Textes der Aufgabe IV den zeitgeschichtlichen Hintergrund des Beginns der neuhochdeutschen Epoche in der deutschen Sprache;

b) setzen Sie anhand des Textes der Aufgabe IV das Schaffen von Luther mit der Entstehung und Bereicherung der neuen deutschen Sprache in Bezug;
Aufgabe VI. Nehmen Sie Stellung zur folgenden Äußerung (etwa 15 Sätze):

«In der Lyrik von Goethe sind poetische Form und komplexe Inhalte in unverwechselbarer Art des lyrischen Sprechens zu einer organischen Einheit verschmolzen».


Aufgabe VII.

Welche Erzählungen deutscher Schriftsteller haben Sie im vorigen Jahr im Deutschunterricht gelesen? Welche Erzählung hat Sie am stärksten beeindruckt? Wer sind die Helden dieser Geschichte? Beschreiben Sie, wie diese Helden in verschiedenen Lebenssituationen handeln oder reagieren. Ist dieses Verhalten aus Ihrer Sicht klug, dumm, mutig, feige, seltsam usw.? Welchen Gedanken will der Autor mit diesem kleinen Werk ausdrücken (etwa 15 Sätze)?





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